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Winkelmüller Architekten

Gedenkstätte JVA Wolfenbüttel

Beauftragung nach VOF-Verfahren

Projektbeteiligte: 

ARGE mit iwb ingenieure Braunschweig

Mitarbeiter:

Julia Hartig

Clemens Kirchmaier


Bauherr/ Auftraggeber:

Staatliches Baumanagement Braunschweig


Nutzer:

Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten

 

 

Im damaligen Strafgefängnis in der heutigen Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel war 1937 eine der zentralen Hinrichtungsstätten für Norddeutschland errichtet worden, in der bis zum Ende des Nationalsozialismus mehr als 600 Todesurteile der deutschen Justiz vollstreckt wurden.

Bisher ist der Besuch der Gedenkstätte nur nach einer Voranmeldung und Sicherheitsüberprüfung möglich, da sich die Gedenkstätte im inneren Sicherungsbereich der JVA befindet.

Um die Gedenkstätte stärker öffentlich zugänglich zu machen und den Bedarf an eine umfassende Ausstellung zu decken wird der Neubau eines neuen Ausstellungsgebäudes erforderlich.

Zwei grundsätzlich widersprüchliche Parameter charakterisieren die Bauaufgabe:

- das neue Ausstellungsgebäude steht innerhalb des hochgesicherten Areals der JVA Wolfenbüttel

- das Gebäude ist als Ausstellungsgebäude öffentlich zugänglich

Da sich der geplante Neubau in direkter Nachbarschaft zum authentischen, historischen Ort der ehemaligen Hinrichtungsstätte befindet, ist es zentraler Entwurfsgedanke, eine Blickbeziehung aus der Ausstellung heraus auf das Hinrichtungsgebäude aufzubauen.

Als weitere kontextuelle Komponente prägt die denkmalgeschützte und stark dominante Gefängnismauer den Ort.

Die extremen Anforderungen und der geschichtlich und bauliche Kontext formen ein ungewöhnliches aber charaktervolles Gebäude:

- Da die Grundfläche minimiert werden musste um den Außenbereich des JVA-Geländes möglichst wenig einzuschränken wurde es erforderlich, die Ausstellungsnutzungen im oberen Geschoss zu positionieren. Dadurch entsteht eine imposante Auskragung, unter deren Lichtraumprofil auch die Feuerwehrzufahrt gewährleistet werden muss.

- Aufgrund des Persönlichkeitsschutzes ist ein Blickkontakt vom Ausstellungsgebäude auf das JVA-Gelände ausgeschlossen, weshalb keine Fenster in der Fassade zum Anstaltsgelände zulässig sind. Einzige Ausnahme bildet das großzügige Ausstellungsfenster mit Blick zur ehemaligen Hinrichtungsstätte, wodurch ein spannungsvoller Kontrast zwischen Geschlossenheit und Offenheit entsteht.

Erschlossen wird das Gebäude über das angrenzende Grundstück der Volksbank, eine Öffnung in der denkmalgeschützten historischen Gefängnismauer ermöglicht dem Besucher das Betreten des vorgelagerten und allseitig umschlossenen Patiobereichs vor dem Ausstellungsgebäude. Von hier aus betritt der Besucher das Foyer im Erdgeschoss, in dem sich auch der Veranstaltungsbereich und Multifunktionssaal befindet.  

Ein Intro leitet hier den Ausstellungsbereich ein und führt zur Ausstellungsfläche im Obergeschoss. Die geplante Ausstellung beginnt und endet an dem großen Ausstellungsfenster, das auf die ehemalige Hinrichtungsstätte zeigt.

Im 2. Obergeschoss befinden sich die Büro- und Archivräume der Stiftung sowie Nebenfunktionen. Während sich das barrierefreie WC im Erdgeschoss befindet liegen die weiteren Toilettenanlagen im Mezzaningeschoss zwischen Erd- und 1. Obergeschoss.

Da das Gebäude Bestandteil der JVA-Sicherungsanlage ist, besteht der Anspruch an ein extrem robustes und widerstandsfähiges Bauwerk. Aus diesem Grunde wird als Konstruktionsart ein Ortbetongebäude gewählt, dessen äußerer Charakter in Anlehnung an die kontextgebenden historischen Mauern und Fassaden der JVA eine warm getönte, leicht strukturierte Ortbetonfassade erhält, welche sich in das vorhandene Gebäudeensemble einfügt.



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